Donnerstag, 13. Juni 2013

Wenn man mit der U-Bahn fährt

Ich stehe dazu: Ich fahre sehr gerne mit der S-Bahn und noch viel lieber mit der U-Bahn. Das geht sehr schnell, ist einfach und erleben kann man auch eine Menge.

Streit mit dem (Ex-)Freund

Vor wenigen Tagen saß mir gegenüber eine junge Frau einfacheren Gemüts. Sie sprach vermutlich mit ihrem Freund. Aufgrund der häufigen Nutzung des Wortes "Digger" und auch "Aller" und "Man!" vermutete ich ihre Herkunft auf Billstedt oder Wilhelmsburg.

Telefonierend betrat sie die U-Bahn, schien sich für irgendetwas entschuldigen zu müssen, was einen andern Kerl, hier liebevoll "Macker" genannt, betraf, und rollte ständig genervt die Augen. Hingebungsvoll kaute sie ihr Kaugummi, welches liebevoll über die knallrot geschminkten Lippen wischte, schmatze laut und sprach und hörte zu in stetem Wechsel.

Beifallheischend schaute sie sich immer wieder nach den anderen Fahrgästen, so auch zu mir, um. Wir anderen, nicht eingeweihten, schauten betreten aus dem Fenster.

Irgendwann schob sie das Telefon, ohne ein Wort des Abschiedes zu verlieren, einfach in ihre Jackentasche. Sagte noch Worte wie "Der spinnt." und schien sich indirekt zu entschuldigen und auch hier mit Blicken um Beistand zu suchen. Wir konnten, nein wir wollten diesen nicht gewähren.


Kontrolle in zivil

Eines morgens fuhr ich im Anzug mit der S-Bahn zur Arbeit. Mir gegenüber nahm ein deutlich älterer Mann Platz, der seine besten Jahre wohl nie erlebt hatte. Nicht nur, dass die Fingernägel dreckig waren, der Rest war es auch. Kleidung, Zähne, Haare, Schuhe, einfach alles. Nur das Brot, von dem er den Belag abnagte und das Brot selbst dann zu meiner Überraschung wegwarf, schien neu und relativ sauber zu sein. Sein Geruch hielt sich, dank der offenen Fenster, in Grenzen.

Einige Stationen später stiegen zwei kräftig gebaute Herren in die S-Bahn. Jeans, Sportschuhe, Irokesenhaarschnitt, schwarze Jacke. Robust zivil würde ich sie bezeichnen. Da sie anfangs nichts weiter machten, achtete ich nicht mehr drauf, bis sie anfangen laut "Guten Tag, Fahrkartenkontrolle!" zu sagen.
Erst mochte ich sie gar nicht ernst nehmen, immerhin trugen die beiden keine Uniform. Jedoch hielten sie jedem einen Ausweis unter die Nase und hatten so ein Kontrollgerät am Gürtel hängen. Letzteres war das einzige, was mich wirklich davon überzeugte, dass die beiden jungen Männer echte Kontrolleure waren.
Mein Ticket konnte ich vorzeigen, der ältere Mann mir gegenüber nicht. Er hatte keines. Die beiden Kontrolleure schauten sich noch weitere Fahrkarten an und stiegen dann mit dem Mann an der nächsten Station aus. Wackelig auf den Beinen, was von "bin behindert" murmelnd und sich überall festhaltend stieg auch er aus. Hilfe bekam er von den beiden nicht. Diese sagte sinngemäß "Das kennen Sie ja noch von gestern."

Die Kontrolle war wohl vorerst zu Ende.

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